Interviews - posted on 7. April.2017 by

Markus im Interview bei Powermetal.de

Sweeping Death - Markus - Interview - Powermetal.de

Prog-Thrasher aufgepasst, denn die Genre-Ikone VEKTOR bekommt Konkurrenz aus Bayern! Von dort kommt nämlich der Newcomer SWEEPING DEATH, welcher gerade die Debüt-EP „Astoria“ veröffentlicht hat, die mich mit ihren ausgeklügelten Kompositionen vom Start weg begeistern konnte. Angesichts dieses famosen Erstlings konnte ich mir dann natürlich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, mit Gitarrist Markus Heilmeier über die aktuelle Scheibe, die bisherige Bandgeschichte und die Zukunft der noch jungen Truppe zu plaudern.

Hallo Markus und erst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für unsere Fragen nimmst. Da viele unserer Leser sicher noch nicht mit SWEEPING DEATH vertraut sein werden, kannst du eventuell kurz und knapp eure bisherige Geschichte zusammenfassen?

Hallo Tobias, vielen Dank für die Einladung. Die Band wurde 2012 von unserem Gitarrist Simon und Sänger Eli unter dem Namen ORDER OF PRIORITY gegründet. Zu diesem Zeitpunkt war es noch geplant, das Ganze als Coverband (METALLICA, IRON MAIDEN…) aufzuziehen. Es wurden ein paar kleine Konzerte in unserer Gegend gespielt, jedoch stieg der Anspruch schnell als Anfang 2013 der bisherige Drummer durch Tobias Kasper ausgetauscht wurde. Bald waren die ersten eigenen Songs komponiert, mit denen sich die Band unter anderem beim Rising Heroes Bandcontest ins Finale spielen konnte. Im Mai 2015 schrieb mich Simon, den ich zu diesem Zeitpunkt schon durch Konzerte mit meiner anderen Band kannte, an, ob ich nicht Lust hätte bei ORDER OF PRIORITY einzusteigen und Eli an der Gitarre zu ersetzen. Ungefähr zwei Monate später kündigte auch der derzeitige Bassist seinen Ausstieg an, doch ein Ersatz war mit Simons Bruder Andreas schnell gefunden. Durch einen Sieg in einem weiteren Contest durften wir unsere Songs im August 2015 dann bei unserem ersten größeren Auftritt auf einem Open Air bei uns in der Gegend (Böbing Open Air) präsentieren. Die Änderung des Bandnames erfolgte dann im Januar 2016. Letzten Endes wurden jedoch alle Songs, die bis dato geschrieben wurden, verworfen und neues Material geschrieben, welches ihr heute auf unserer ersten EP „Astoria“ findet. Mit der jetzigen Bandkonstellation sind wir mehr als glücklich.

Mir ist als allererstes euer Bandname aufgefallen, der mich unweigerlich an den METALLICA-Track ‚Creeping Death‘ erinnert. War der Song eine Inspiration für euch, oder wie seid ihr auf den Namen gekommen?

Die Idee für den Namen hatte unser Bassist Andi, als wir auf dem Weg zu einem SLAYER/ANTHRAX-Konzert waren. Er ist mit der U-Bahn angereist und der Rest der Band mit dem Auto. Wir haben uns eher zum Spaß Bandnamen hin und her geschrieben und irgendwann kam dann SWEEPING DEATH auf. Wir waren zu dem Zeitpunkt schon lang auf der Suche nach einem neuen Namen, da wir der jetzigen Bandkonstellation ein Aushängeschild geben wollten. Den Namen fanden auf Anhieb alle ziemlich geil! Unser Basser hat uns dann später erzählt, dass er ein paar Tage zuvor ein Interview gesehen hat, in dem Cliff Button und James Hetfield erzählten wie sie auf den Songtitel ‚Creeping Death‘ gekommen waren, und das hatte er dabei tatsächlich irgendwie im Hinterkopf. Auf „Sweeping“ sei er gekommen, weil der Rest der Band in der vorherigen Probe immer wieder von SKULL FIST geschwärmt hat und wie geil der Sweeping-Part von ‚Like A Fox‘ sei! Da sweept der eine und der andere spielt ein Solo drüber… geile Typen!

Lass uns jetzt aber mal über eure Debüt-EP „Astoria“ sprechen, die mich ja aus dem Stand weg begeistern konnte. Meine erste musikalische Assoziation ging dabei vor allem in Richtung der Jungs von VEKTOR, mit denen ihr die Vorliebe für vielschichtige Arrangements teilt. Liege ich mit dieser Idee richtig, oder wer sind im Allgemeinen eure Vorbilder?

Wir in der Band teilen zwar einen ähnlichen Musikgeschmack, allerdings hat doch jeder sein ganz eigenes Lieblingsgenre. Da geht es wirklich über HAVOK zu ZZ TOP, bis hin zu DISSECTION und am Ende kommt man dann bei OPETH raus. Ich als Instrumentalist höre natürlich gerne Musik, in der das Können der Musiker im Vordergrund steht. Bei VEKTOR war es ähnlich, Andi postet ihr „Black Future“-Album in die WhatsApp-Gruppe und wenige Wochen später haben wir sie in München auf der Bühne gesehen. VEKTOR haben geniale Arrangements und Songstrukturen. Beim neuen Album haben die sogar einen Chor dabei, welche Thrash-Band hat die Eier für sowas? (lacht)
Vorbilder gibt es aber neben VEKTOR noch viele andere. Besonders Bands, die es schaffen, einen eigenen Stil zu entwickeln, beeindrucken uns. Das ist dann völlig genreunabhängig. Auch wir versuchen das momentan, das Besondere herauszudestillieren, was uns als Band einzigartig macht. Am Ende soll der Zuhörer uns hören „müssen“, wenn er genau diese Art von Metal hören will. Wo liegt der Sinn von Eigenkompositionen, wenn sie nur ein Best-Of Medley einer anderen Band sind? GOJIRA, SKULL FIST, TRIBULATION oder eben auch VEKTOR haben das beispielsweise grandios geschafft.

Aus dem generell bärenstarken Material sticht für mich der Titeltrack ‚Astoria‘ dank seines klassischen Intros besonders heraus, das mich ganz grob an die Neo-Klassik eines YNGWIE MALMSTEEN erinnert. Hat bei euch jemand eine klassische Ausbildung am Piano oder einem anderen Instrument genossen?

Unser Schlagzeuger Tobias hatte etwa zehn Jahre Klavierunterricht. Er ist auch für einen Großteil der Songs auf unserer EP verantwortlich. Wir sind aber alle recht große Klassik-Fans und haben auch immer wieder gemerkt, das besonders klassische Gitarrenparts Leute ansprechen, die mit Metal gar nicht so viel zu tun haben. Nicht dass wir besonders viel auf so etwas geben, aber wenn das den Leuten den Zugang zu unserer Musik einfacher macht, dann freut uns das. Wie das wirklich eindrucksvoll umgesetzt werden kann, sieht man zum Beispiel beim neuesten EXMORTUS-Album „Ride Forth“. Am Ende sind wir einfach Musikenthusiasten und wollen, dass unsere Musik ein Level an Musikalität besitzt, das unsere Einflüsse und unser Können zeigt.

Gibt es eigentlich ein lyrisches Konzept hinter der EP? Irgendwie machte es auf mich den Eindruck, als wären die einzelnen Tracks eng miteinander verbunden, was gerade für eine EP eher ungewöhnlich ist.

Ein Konzept in dem Sinne gibt es nicht. Das Schöne an „Astoria“ ist, dass es den Entwicklungsprozess unseres Sängers und Texters Eli widerspiegelt. ‚Astoria‘ und ‚Pioneer Of Time‘ sind die neueren Songs auf der EP, während ‚My Insanity‘ wohl der erste Text sein dürfte. Auch das ist extrem wichtig, sich einfach auszuprobieren. Welche Message will man sich wirklich auf die Fahne schreiben? Insofern gibt es ein Konzept in dem Sinne, dass das lyrische Ich der ganzen EP immer im Kampf steht. Oft mit sich selber, mit den Institutionen, der Kultur oder dem System. Ein kämpfendes lyrisches Ich, das erst im letzten Song ‚Till Death Do Us Part‘ zur Ruhe kommt. Ich finde diese Message ist eigentlich eine sehr schöne, weil kämpfen müssen wir am Ende alle. Dadurch, dass eigentlich nur Eli die Texte schreibt, ist es quasi sein „Mindset“, das alle Songs durchlebt und so entsteht eine Verbindung zwischen den Songs.

Neben der Musik habt ihr vor allem auch mit dem sehr ungewöhnlichen Cover-Artwork einen Volltreffer gelandet. Was für eine Idee steckt hinter dem durchaus provokativen Design und wer war für die Umsetzung verantwortlich?

Für die Umsetzung war Jeff Carr aus Ohio zuständig. Vom Stil her wollten wir etwas, das in die Richtung BARONESS geht. Auch hier war wieder die Devise, etwas zu machen, was nicht jeder macht. Das typische Thrash-Artwork kennen und lieben wir alle, aber davon gibt es schon genug. Es ging vor allem darum, auch ein bisschen zu provozieren. Wenn du im Plattenladen an unserer Scheibe vorbeigehst, dann wirst du sie vielleicht nur in die Hand nehmen, weil sie anders aussieht. Nicht besser oder schlechter, aber anders. (lacht)
Das eigentliche Cover ist symbolisch für den Titeltrack ‚Astoria‘ und den zweiten Track ‚Pioneer Of Time‘. Astoria steht symbolisch dafür, etwas zu haben, aber nicht zu schätzen zu wissen. Meistens weiß man es jedoch erst zu schätzen, wenn man es wieder verloren hat. Das muss nicht zwangsweise eine Frau sein, das kann für alles stehen. Um das darzustellen fanden wir es passend, eine schöne Frau mit etwas „Befremdlichem“ wie der Pestmaske zu versehen. Für uns drückt das den oben beschrieben Konflikt aus, den wir bestimmt alle schon einmal erlebt haben. Symbolisch für ‚Pioneer Of Time‘ findet sich auch das zerschlagende Ziffernblatt auf dem Cover. Der Song steht für die immer schneller werdende Zeit und welche Konsequenzen das mit sich bringt.

Während der Recherche für dieses Interview habe ich natürlich auch nach Informationsquellen gegoogelt und dabei sind mir die inzwischen fast schon üblichen russischen Seiten aufgefallen, auf denen die EP als illegaler Download angeboten wird. Da ich selbst Musiker bin und auch bereits mit der gleichen Situation konfrontiert war, würde ich gerne wissen, was ihr davon haltet? Seht ihr das als Promotion, oder ärgert euch diese „alles kostenlos bekommen“-Mentalität?

Klar ärgert einen das. Man möchte natürlich für seine Musik bezahlt werden und für die Arbeit, die dahinter steckt. Aber das ist nun mal das Zeitalter, in dem wir leben. Bis auf unseren Drummer nutzen wir alle Spotify und kaufen zwar immer mal wieder CDs, aber wir sind selber auch nicht viel besser. Heutzutage muss man einfach auf die Community hoffen, die im Metal ja teilweise wirklich noch hinter ihren Künstlern steht. Wenn wir auf dem Gig ein paar CDs und Shirts verkaufen, sind wir glücklich und können mit dem weitermachen, was wir lieben. Aber klar, dass man als Musiker heutzutage eigentlich kaum noch Chancen hat von der Kunst leben zu können, ist schon ein bisschen ernüchternd. Andererseits wenn uns Geld so wichtig wäre, würden wir wahrscheinlich andere Musik machen.

Die vorherige Frage bringt uns natürlich auch direkt zu einem weiteren Thema, das im modernen Musik-Business alltäglich ist, nämlich dem Streaming. Was haltet ihr von Diensten wie Spotify und Co.? Sind sie wirklich die Zukunft für die Branche?

Meine Anfänge mit der Musik habe ich auch noch mit Walkman verbracht, da hatte man einfach was in der Hand. Es gibt auch immer mehr Leute, die uns nach Schallplatten fragen. Irgendwo hat es doch seinen ganz eigenen Charme. Musik ist heute allgemein nicht mehr so viel wert, da man sich alles irgendwo kostenlos oder total vergünstigt besorgen kann. Ob Spotify die Zukunft ist? Wahrscheinlich. Ich sehe irgendwie keinen Weg mehr zurück in ein analoges Zeitalter.

Tobias Dahs, Powermetal.de