Interviews - posted on 14. Juni.2017 by

Interview Allgäuer Zeitung

Pfronten Elias Witzigmann im Glück:

Mit seiner Band „Sweeping Death“ hat der 23-jährige Pfrontener und ehemalige Praktikant unserer Redaktion den Nachwuchswettbewerb des Vereins Metal Only gewonnen – und damit 20 Studiotage bei freier Label- und Vertriebswahl. Astoria heißt das erste Album der Band. Kommendes Wochenende beginnt ihre große Tournee, teilweise gemeinsam mit der befreundeten Band „Running Death“ aus Kaufbeuren, die sie quer durch Süddeutschland und Österreich bis nach Mailand führt – mit Heimspielen am 28. Oktober im Irish Pub „Ye Auld Fellows“ in Pfronten und am 3. November in der Moritz Bar in Schongau. Und am 28. Juli spielt „Sweeping Deat“ in der Finalrunde des Rock-the-King-Bandcontests um einen Platz im Festival, das heuer in Buchenberg bei Kempten stattfindet. Wir sprachen mit dem Studenten der Sozialwissenschaften an der Uni Augsburg.

Wie kam es zu dem Sieg beim Metal Only Nachwuchsband Contest?
Witzigmann: Das war ganz cool: Wir hatten ja schon viele Contests gemacht, aber bei diesem mussten wir gar nicht selber spielen, sondern einfach unsere CD an die Jury schicken. Irgendwann haben wir gesehen, wir sind im Halbfinale, dann im Finale – und dachten: Wow: Wenn wir das gewinnen, ist die das nächste Album komplett finanziert. Gemacht hätten wir es sowieso. Aber das ist schon ziemlich teuer und wir sind alle keine Großverdiener.

Ihr seid noch keine Profis, aber wenn man sich Euren Tourneeplan anschaut, seid ihr den ganzen Sommer über doch schon richtig eingespannt.
Witzigmann: Wir haben geschaut, dass wir unser erstes Album deutschlandweit präsentieren können und haben viel Arbeit ins Booking investiert. Wir hatten Glück und viele positive Resonanzen aufs erste Album bekommen, der Metal Hammer hat uns einmal als „Helden von morgen“ präsentiert. Auf so etwas schauen die Veranstalter, so ist es uns gelungen, eine richtig fette Tour auf die Beine zu stellen, auf der wir auch drei Mal in Italien sind. Bei der Größe, die wir momentan haben, ist es schon etwas besonderes. Normalerweise werden so große Touren von Booking-Agenturen organisiert und wir machen das alles halt selber.

In die Nähe der Heimat geht es aber erst im Herbst?
Witzigmann: Wir sind aber immer mal wieder hier in der Gegend, zum Beispiel beim Böbing Open Air am 11. August. Das ist auch ganz wichtig, wir sind ja eine Band von hier und haben auch Bock vor den Leuten zu spielen, mit denen wir auch sonst rumhängen.

Sie sind in der Band der einzige aus Pfronten?
Witzigmann: Von den anderen sind drei aus Wildsteig und einer aus Wessobrunn. Auf dem Gymnasium Hohenschwangau habe ich den Gitarristen Simon Bertl kennengelernt. Mit 16, 17 haben wir zusammen Musik gemacht. Auch wenn wir noch nicht so gut waren, war das ein geiles Gefühl und wir wollten einfach mehr machen. Es hat dann so seine Jahre gedauert, bis unsere Aufstellung so professionell war, dass wir so eine Musik machen konnten, wie wir sie heute machen. Wir sind jetzt glücklich mit den Leuten, die wir haben, Tobi Kasper am Klavier und am Schlagzeug, der auch viele Songs schreibt, Markus Heilmeier an der Leadgitarre, der die Band auf ein ganz neues Level gehoben hat, und Andreas Bertl als extrem engagierten Bassisten, der vor allem nur Bassist ist. Das ist ganz selten im Heavy Metal, den oft sind Bassisten nur Gitarristen, die keine Band gefunden haben. Das ist unser größter Vorteil, dass wir alle Bock auf die Musik haben.

Das heißt, dass Heavy Metal auch Ihr Ziel war. Die Trompete, mit der sie bei der Harmoniemusik Pfronten angefangen haben, war Ihnen wohl nicht laut genug?
Witzigmann: Es war cool, zusammen Musik zu machen, aber ich wollte halt andere Musik machen, im Idealfall die, die ich auch selber höre. Im ganz frühen Alter waren das AC/DC und die Hardrock-Klassiker und wenn man dann selber Gitarre spielt, schaut man, was es sonst noch gibt und entdeckt viele Bands und Musiker, die ziemlich gut an ihren Instrumenten sind – und das sind halt oft Heavy-Metal-Musiker. Das ist ein Genre, das enorm viel Können am Instrument verlangt.

Sie selbst haben aber die Gitarre mittlerweile beiseite gestellt und singen?
Witzigmann: Zwei Jahre lang habe ich beides gleichzeitig gemacht, aber ich war halt nie der beste Gitarrist. Und es hat immer eins unter dem anderen gelitten. Irgendwann haben wir gesagt, wenn das mit der Band was werden soll, brauchen wir einen an der Gitarre, der richtig gut ist und haben mit dem Markus einen der besten Gitarristen in Deutschland gefunden.

Gerade Heavy Metal stellt aber auch große Ansprüche an die Singstimme. Haben Sie sich das selbst beigebracht oder ist ihre Stimme geschult?
Witzigmann: Ich hatte schon ganz früh etwas Gesangsunterricht, weil ich im Ludwig-Musical den kleinen Ludwig gesungen habe. Mit 16, 17 habe ich in der Bandprobe rumgeschrien, bis ich heiser war und viel herum experimentiert und ausprobiert. Mittlerweile habe ich aber natürlich auch schon ein Jahr Gesangsunterricht gehabt. Ich muss ja zum Beispiel wissen, wie ich meine Stimme aufwärme, wenn wir so viele Auftritt haben.

Mittlerweile hat in der Band jeder seine Rolle gefunden?
Witzigmann: Für mich ist das hoffentlich das letzte Lineup, das die Band hat, ich will keinen in seiner Position vermissen. Was mir an der Band so Spaß macht, ist, dass wir die Songs gemeinsam schreiben. Jeder kann alles was er hat, mit einbringen und so kann am Ende jeder hinter den Songs stehen, weil jeder seinen Teil dazu beigetragen hat.

Wie kommt Ihre Art Musik eigentlich in ihrem Umfeld an?
Witzigmann: Die Leute, die ich noch aus meiner Schulzeit kenne und die auch den Simon noch kennen, der war ja in meiner Klasse, von denen finden es die meisten ziemlich cool, dass wir daraus was gemacht haben und noch weiter machen.

Ist der Auftritt im Irish Pub in Pfronten im November für Sie etwas besonderes, eine Art Heimspiel?
Witzigmann: Auf jeden Fall. Wir hatten letztens einen Auftritt in Arnstadt in Thüringen, das ist immer ein bisschen komisch, weil man nicht weiß, was einen erwartet. Wenn wir im Pub spielen, wissen wir vorher schon, dass es gut wird und wir alle einen richtig geilen Abend haben werden, einfach weil es Freunde sind.

Wissen Sie schon, wie es nach dem Studium bei Ihnen weitergeht?
Witzigmann: Ich habe als Nebenfach Medien und Kommunikation und will auf jeden Fall etwas mit Medien machen, am liebsten im Radio oder halt zur Zeitung. Ich habe die letzten Sommersemesterferien Praktikum bei der Rockantenne gemacht, das ist für mich natürlich ein Traum, weil das perfekt mit meiner Leidenschaft für Heavy Metal einhergeht. Ich hab dort viele coole Musiker getroffen und werde dort im Sommer wieder zwei Monate Praktikum machen.

(Gespräch: Markus Röck)